Parlamentarische Vereinigung Niedersachsen zu Besuch im "neuen" Landtag:

Ehemalige Abgeordnete vom neuen Plenarsaal sehr beeindruckt

Mit einem Großereignis hat die Parlamentarische Vereinigung Niedersachsen (PVN) ihre Veranstaltungsreihe des neuen Jahres eingeleitet. Zum 13. Februar 2018 hatte der Vorstand die Mitglieder zur Besichtigung des neuen Plenarsaales des Niedersächsischen Landtags im alten hannoverschen Leineschloss eingeladen - und alle, alle kamen. Vorsitzender Ulrich Biel hat noch nie so viele Teilnehmer begrüßen können, wie bei dieser Veranstaltung. Das war auch kein Wunder, denn alle, die gekommen waren, waren auch einmal viele Jahre Abgeordnete des Landtags und kannten den "alten" Plenarsaal aus dem Jahr 1962 mit seiner Fensterlosigkeit, ohne Tageslicht, Sonnenschein und frischer Luft, mit allen seinen Mängeln und Macken. Nun war die Neugier groß, selbst zu sehen, was aus dem Plenargebäude, von dem nur die äußeren Mauern stehen geblieben und das Innere völlig entkernt worden war, nach dem Neubau geworden war. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Die neue Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta persönlich begrüßte die Mitglieder der Parlamentarischen Vereinigung, und ihr Vorgänger, der jetzige Vizepräsident Bernd Busemann, "Vater" des Bauprojekts und jahrelang verantwortlich für den Um- und Ausbau, gab fach- und sachkundig die eingehenden Erläuterungen. Danach war die allgemeine Meinung: Es gibt keinen Parlamentarier, der sich mit solcher Hingabe und Einsatzbereitschaft für den Neubau des Plenarsaales engagiert hat, wie Bernd Busemann. Er hat das Kunststück fertig gebracht, die geplante Bauzeit und sogar die veranschlagten Kosten von 42,8 Millionen Euro exakt einzuhalten. Dabei hat es an Schwierigkeiten und Zwischenfällen nicht gemangelt, vom monatelangen Baustillstand wegen Rausschmiss einer renommierten Baufirma bis zum Prozess vor dem Oberlandesgericht.

Bei der anschließenden Besichtigung entpuppte sich ausgerechnet der Plenarsaal, das Prunkstück des Neubaus, allerdings schon wieder als Baustelle, die mit Flatterband abgesperrt war. Denn wegen der neuen Zusammensetzung des am 15. Oktober 2017 neu gewählten Niedersächsischen Landtags, erstmals mit der AfD, sollen jetzt die Begrenzungen zwischen den einzelnen Fraktionen neu hergerichtet werden. Aber sonst waren die Gäste sehr beeindruckt. Der Plenarsaal wurde um 180 Grad gedreht, so dass Sitzungspräsidium und Regierungsbänke jetzt hin zum "Platz der Göttinger Sieben liegen" und die Abgeordneten durch die dahinter angebrachte riesige Fensterfront auf das draußen pulsierende Leben schauen können und die Passanten einen Blick nach drinnen haben. Mobiliar, Fußboden, Wände, Decke sind vom Feinsten. Ob zu viel dunkles Holz verwendet wurde, ist sicher Geschmackssache. Nur das überdimensionale Wappen mit dem Niedersachsen-Ross, etwas dunkel und hinter spiegelndem Glas, das wieder an der Wand hinter dem Platz des Präsidenten angebracht ist, kommt noch nicht so zur Wirkung wie das Vorgängermodell aus weißem Gips, das gerettet werden konnte, seit den Umbauarbeiten im Eingang des Übergangs-Parlamentssaal hängt und keinen Rückumzug verträgt. Neben dem Plenarsaal machte vor allem der neue Eingang durch die riesige Portikushalle mit dem Tageslichteinfall oben aus der Decke einen tiefen Eindruck.

Bedauert wurde von den Teilnehmer der Besichtigung, dass fast kein "aktives" Mitglied der PVN, also kein "amtierender" Landtagsabgeordneter, mit dabei war, der den Ehemaligen etwas aus den Erfahrungen und Empfindungen der jetzigen parlamentarischen Wirklichkeit und Praxis in den neuen Räumen hätte sagen können. Nach dem Gedankenaustausch bei Kaffee und Kuchen zum Ausklang der Besichtigung empfanden die Mitglieder der PVN, die alle nicht zur offiziellen Eröffnung, mit immerhin rund 900 Gästen, wegen Platzmangels eingeladen worden waren, durch diese Veranstaltung wenigstens eine kleine Wiedergutmachung.        Rolf Zick